Hohe Baukosten, lange Genehmigungsverfahren und eine weiterhin angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt stellen Bauherren, Käufer und Investoren vor große Herausforderungen. Mit einem neuen 13-Punkte-Plan will die Bundesregierung nun gegensteuern und den Wohnungsbau wieder wirtschaftlicher, schneller und planbarer machen.
Doch was bedeuten die angekündigten Maßnahmen konkret für Menschen, die bauen, kaufen oder in Immobilien investieren möchten? In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Punkte des Plans, die verlängerte EH55-Plus-Förderung und die Chancen, die sich daraus für die Immobilienfinanzierung ergeben können.
Hohe Baukosten, lange Genehmigungsverfahren und schwer kalkulierbare Förderbedingungen bremsen den Wohnungsbau seit Jahren. Genau hier will die Bundesregierung jetzt ansetzen: Bundesbauministerin Verena Hubertz hat im Juni 2026 einen Aktionsplan zur Senkung der Baukosten mit insgesamt 13 Maßnahmen vorgestellt.
Das Ziel: Bauvorhaben sollen schneller geplant, einfacher genehmigt und wirtschaftlicher umgesetzt werden können. Für Bauherren, Familien, Projektentwickler und Kapitalanleger sind das wichtige Signale. Entscheidend bleibt allerdings: Der Aktionsplan ist zunächst eine politische Roadmap. Viele Punkte müssen noch gesetzlich umgesetzt oder gemeinsam mit Ländern und Kommunen konkret ausgestaltet werden.
Die Ausgangslage ist bekannt: Steigende Material- und Finanzierungskosten, hohe technische Anforderungen, komplexe Bauvorschriften sowie langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren machen viele Neubauprojekte wirtschaftlich schwierig. Besonders betroffen sind Vorhaben, bei denen die Kostenentwicklung während der Planung kaum noch zuverlässig kalkulierbar ist.
Wenn Projekte über Jahre auf Genehmigungen warten oder sich Anforderungen während der Planungsphase verändern, steigen die Kosten weiter. Gleichzeitig fehlt in vielen Regionen weiterhin bezahlbarer Wohnraum. Der neue Aktionsplan setzt deshalb nicht nur bei einzelnen Förderprogrammen an, sondern bei mehreren Kostentreibern gleichzeitig.
Der 13-Punkte-Plan konzentriert sich auf drei große Bereiche: Digitalisierung und Innovation, Förderung und Finanzierung sowie schnellere Verfahren und weniger Bürokratie.
Bauanträge sollen künftig deutlich stärker digital abgewickelt werden. Bis 2028 soll der digitale Bauantrag grundsätzlich zum Regelfall werden. Papieranträge sollen dann nur noch in begründeten Ausnahmefällen möglich sein.
Für Bauherren kann das langfristig mehr Transparenz schaffen: Unterlagen lassen sich vollständiger einreichen, Bearbeitungsstände besser nachvollziehen und Abstimmungen zwischen Beteiligten beschleunigen. Ob dies in der Praxis wirklich zu kürzeren Verfahren führt, hängt jedoch wesentlich von der Umsetzung in den einzelnen Bundesländern und Kommunen ab.
Ein weiterer Kernpunkt ist die Verkürzung von Bauleitplanverfahren. Diese sollen durch digitale Standards und klarere Abläufe schneller werden. Das politische Ziel lautet, Planverfahren auf maximal zwei Jahre zu begrenzen.
Gerade für größere Wohnbauprojekte kann Zeit ein erheblicher Kostenfaktor sein. Kürzere Verfahren bedeuten nicht automatisch niedrigere Baupreise, sie können jedoch die Finanzierung besser planbar machen und das Risiko von Preissteigerungen während der Projektphase reduzieren.
Der Aktionsplan setzt außerdem auf industriell vorgefertigte und standardisierte Bauweisen. Beim seriellen und modularen Bauen werden Bauteile oder ganze Raumelemente in hoher Stückzahl gefertigt und auf der Baustelle zusammengesetzt.
Diese Bauweise kann Bauzeiten verkürzen und Kosten besser kalkulierbar machen. Vorgesehen sind unter anderem Anreize für Projekte mit kürzerer Bauzeit und niedrigeren Baukosten. Besonders bei Mehrfamilienhäusern und größeren Quartiersentwicklungen kann dieser Ansatz künftig an Bedeutung gewinnen.
Mit dem sogenannten Gebäudetyp E sollen rechtssichere Abweichungen von einzelnen technischen Standards und Normen erleichtert werden. Dabei geht es nicht darum, auf Sicherheit, Gesundheit oder Umweltschutz zu verzichten. Vielmehr sollen Standards überprüft werden, die zwar häufig zu höheren Kosten führen, aber nicht immer zwingend für ein gutes und sicheres Gebäude erforderlich sind.
Für Bauherren kann dies neue Spielräume eröffnen. Wichtig ist aber: Wer bewusst von bestimmten Standards abweicht, sollte die Auswirkungen auf Bauqualität, Wiederverkauf, Vermietbarkeit und Finanzierung sorgfältig prüfen.
Ab 2027 soll die bislang auf verschiedene Programme verteilte Bundesförderung für Neubauten in einem zentralen, modularen Programm gebündelt werden. Das Ziel ist mehr Übersichtlichkeit und bessere Planbarkeit.
Förderungen können einen wichtigen Baustein der Gesamtfinanzierung darstellen. Sie ersetzen jedoch keine solide Kalkulation. Vor dem Kauf eines Grundstücks oder vor Abschluss eines Bauvertrags sollte deshalb immer geprüft werden, welche Förderbedingungen gelten, ob die technischen Voraussetzungen erfüllt werden und ob die Förderung rechtzeitig beantragt werden kann.
Parallel zum Aktionsplan wurde die Förderung für Neubauten im Standard Effizienzhaus 55 Plus verlängert. Anträge können weiterhin gestellt werden, bis die verfügbaren Mittel ausgeschöpft sind – längstens jedoch bis Ende 2026.
Gefördert werden baureife Neubauvorhaben im EH55-Standard, bei denen die Wärmeversorgung vollständig auf erneuerbaren Energien basiert. Die Förderung erfolgt über zinsverbilligte Kredite der KfW. Nach Angaben des Bundesbauministeriums soll der effektive Zinssatz bei zehn Jahren Laufzeit und zehn Jahren Zinsbindung möglichst bei rund einem Prozent pro Jahr liegen.
Für Bauherren und Käufer bedeutet das: Wer ein entsprechendes Projekt plant oder ein baureifes Neubauobjekt erwerben möchte, sollte die Förderfähigkeit zeitnah prüfen. Fördermittel sind begrenzt und die Konditionen können sich verändern.
Der 13-Punkte-Plan ist ein positives Signal für den Wohnungsbau. Kurzfristig werden Baukosten dadurch allerdings nicht automatisch sinken. Viele Maßnahmen greifen erst in den kommenden Jahren und müssen zunächst durch Gesetze, Förderprogramme oder Verwaltungsprozesse konkret umgesetzt werden.
Für die eigene Planung ergeben sich dennoch drei wichtige Punkte:
Der Aktionsplan zur Senkung der Baukosten zeigt, dass die Politik die strukturellen Probleme im Wohnungsbau stärker in den Blick nimmt. Schnellere Genehmigungen, digitale Prozesse, einfachere Bauweisen und übersichtlichere Förderungen können dazu beitragen, Neubauvorhaben wieder wirtschaftlicher zu machen.
Für Kaufinteressierte und Bauherren gilt dennoch: Nicht auf politische Ankündigungen allein verlassen. Eine gute Finanzierung basiert auf einer realistischen Budgetplanung, einer passenden Zinsstrategie und einer sorgfältigen Prüfung aller Fördermöglichkeiten.
Sie planen einen Neubau, den Kauf einer Immobilie oder möchten prüfen, wie sich Fördermittel in Ihre Finanzierung einbinden lassen? Sprechen Sie uns gern an. Wir begleiten Sie bei der Planung Ihrer Baufinanzierung und suchen gemeinsam mit Ihnen nach einem passenden Finanzierungskonzept.
Quellen und weiterführende Informationen: